Bayerisches Staatsministerium für
Gesundheit und Pflege

Aktuelles aus der Gesundheitspolitik

07.09.2018

Pflegende Angehörige stehen im Mittelpunkt: Bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf notwendig

Heute sind am Bayerischen Tag der pflegenden Angehörigen rund 250 Gäste der Einladung in den Landtag gefolgt. Der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung Hermann Imhof MdL hat zusammen mit der Landtagspräsidentin Barbara Stamm MdL das Engagement der pflegenden Angehörigen gewürdigt.

Zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden in Bayern zu Hause versorgt. Aufgrund des demografischen Wandels stehen immer mehr ältere zu pflegende Menschen immer weniger jüngeren Pflegenden gegenüber. „Pflege ist ein großes Thema für jede Familie in Bayern“, so Imhof.

Mit Ihrem Engagement als größter Pflegedienst unserer Gesellschaft stellen die Angehörigen die Versorgung von pflegebedürftigen Menschen sicher. „Ohne pflegende Angehörige wäre unser Pflegesystem schon längst zusammengebrochen. Das Verständnis von Familie sollte nicht nur im Rahmen der Kinderbetreuung diskutiert werden, sondern auch die Pflege von Menschen einschließen“, forderte Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die auch dieses Jahr die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen hat.

Gerade berufstätige Angehörige stellt die Pflege vor enorme Herausforderungen.

Dank neuerer rechtlicher Bestimmungen können Beschäftigte die Pflege und die eigene Erwerbstätigkeit besser miteinander vereinbaren.

Nach dem Familienpflegezeitgesetz können pflegende Beschäftigte ihre Arbeitszeit für maximal zwei Jahre reduzieren, wobei sie einen Mindestarbeitsumfang von 15 Wochenstunden nicht unterschreiten dürfen. Ihr Einkommen wird während dieser Zeit nur halb so stark gekürzt wie die Arbeitszeit. Nach der Pflegephase arbeiten die Beschäftigten wieder in vollem Umfang, erhalten aber solange ihr gekürztes Gehalt, bis das Zeitwertkonto wieder ausgeglichen ist.

Im Rahmen des Pflegezeitgesetzes können sich Beschäftigte für bis zu sechs Monate von der Arbeit für eine Pflege zu Hause freistellen lassen. Sie haben jedoch keinen Anspruch auf Arbeitsentgelt.

„Meine Erfahrung zeigt jedoch, dass die Reformen eher verhalten in der Bevölkerung und in den Unternehmen aufgenommen werden. Denn viele der mehrheitlich weiblichen pflegenden Angehörigen arbeiten bereits dauerhaft in Teilzeit und haben schon aus finanziellen, aber auch arbeitsplatzbezogenen Gründen wenig Interesse, die Arbeitszeit weiter zu reduzieren oder gar vollständig aufzugeben“ stellt Imhof fest.

„Daher sind weitere Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ein zentraler Bestandteil pflegesensibler Personalpolitik“, so Imhof, und fordert die Arbeitgeber auf, kreativ zu sein. Die Einrichtung betrieblicher Pflegelotsen und Tagespflegeangebote zur Ergänzung bestehender Strukturen sind beispielsweise konkrete Angebote, Pflegende zu unterstützen, sie aber auch an den Betrieb zu binden.

Nach Imhof ist Pflege keine private Angelegenheit mehr, die allein innerhalb der Familien zu organisieren und zu finanzieren ist. Pflege sieht er als eine gesamt-gesellschaftlich notwendige Aufgabe, die alle tragen müssten. „Deshalb ist zum Ausgleich von finanziellen Einbußen pflegender Angehöriger eine Entgeltersatzleistung analog dem Elterngeld notwendig“, fordert Imhof; „nur so kann eine generationengerechte Pflege zukunftssicher gemacht werden“.