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Der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Thomas Zöller MdL, setzt sich für mehr Prävention ein und fordert die Bundesregierung auf, höhere Steuern auf gesundheitsschädliche Aktivitäten und Produkte mit negativen individuellen und externen Effekten zu erheben. Sein Fokus liegt auf dem Konsum von Tabak, Alkohol und Zucker. (Höhere) Abgaben im Sinne von ‚Gesundheitssteuern‘ auf diese Produkte können dem negativen Konsumverhalten entgegenwirken. Auch wenn die Steuerbelastung in Deutschland generell beklagt wird, spricht sich der Beauftragte doch für diese Verbrauchsteuern aus. Die positiven Effekte auf öffentliche Gesundheit, Volkswirtschaft im Allgemeinen sowie das deutsche Gesundheitssystem im Besonderen müssen überwiegen.
„Aktuell wird verstärkt debattiert – insbesondere in den Reihen der Ärzteschaft und Zahnärzteschaft –, Tabak, Alkohol und Zucker in unserem Land noch stärker bzw. überhaupt zu besteuern. Für unser Gesundheitssystem erhofft man sich damit einerseits Einnahmen, andererseits Entlastung aufgrund positiver gesundheitlicher Effekte“, so Zöller. „Tabakprodukte werden in unserem Land schon seit 1906 besteuert und auch für Alkohol gibt es diverse Abgabevorschriften, wobei Bayern Vorreiter beim Bier war. Eine Zuckersteuer gibt es hingegen in Deutschland bislang nicht, anders als beispielsweise in Großbritannien. Durch die Tabak- und Alkoholsteuern hat der Bund im Jahr 2024 um die 18 Milliarden Euro eingenommen. Gelder, die wie ich meine, unserem Gesundheitssystem zugutekommen sollten!“
„Als Patienten- und Pflegebeauftragter verfolge ich die aktuell kontroverse Debatte zu dieser Thematik. Ich selbst bin der Meinung, dass die Besteuerung der genannten Produkte ein guter Anreiz für einen gesunden Lebensstil sein kann. Allerdings sollten meiner Überzeugung nach, die steuerlichen Mehreinnahmen nach einer Erhöhung bzw. Einführung ausschließlich dem Gesundheitswesen zugutekommen“, betont der Beauftragte und erläutert, was man konkret über die Effekte von Steuern auf Tabak, Alkohol und Zucker weiß:
„Jeder vierte Erwachsene in Deutschland raucht. Im Freistaat Bayern sterben laut Tabakatlas des Deutschen Krebsforschungszentrums mindestens 16.000 Menschen jedes Jahr an den Folgen des Rauchens. Die Weltgesundheitsorganisation WHO kritisiert Deutschland dafür, zu wenig gegen den Tabakkonsum zu unternehmen. Nach WHO-Empfehlungen sollte eine Steuer mindestens 75 Prozent des Preises von Tabakprodukten ausmachen. Das sei die effektivste Maßnahme, um den Konsum einzuschränken. Für Deutschland nennt die WHO aber ein Steuerniveau von durchschnittlich 61 Prozent. Damit liegt Deutschland mit seinen Tabaksteuern im unteren Viertel der WHO-Europa-Region. Neben der Erhöhung der Tabaksteuer, die den Konsum positiv beeinflusst, werden auch ergänzende Maßnahmen wie Aufklärung, strengere Vorgaben im öffentlichen Raum sowie Raucherentwöhnungsprogramme als notwendig erachtet.
Auch beim Alkohol fordert die WHO seit Jahren höhere Steuern, denn Alkohol verursacht weltweit Millionen Todesfälle. Allein in Deutschland trinkt mehr als jeder Fünfte zu viel Alkohol, wobei Bayern über dem Bundesdurchschnitt liegt. Suchtforscher rechnen vor, dass der Pro-Kopf-Konsum um 2,2 Prozent sinken und sich 850 alkoholbedingte Todesfälle pro Jahr vermeiden ließen, wenn alkoholische Getränke im Verkauf durchschnittlich um fünf Prozent teurer würden. Außerdem würde der Staat zusätzliche 1,4 Milliarden Euro Steuern einnehmen. Die Pro-Kopf-Alkoholsteuer in Deutschland lag 2022 mit etwa 44 Euro deutlich unter der anderer Länder (zum Vergleich Estland: 218 Euro).
Die Preise alkoholischer Getränke im Einzelhandel lagen im Oktober 2025 in Deutschland 14 Prozent unter dem EU-Durchschnitt. Bei Getränken ohne Alkohol lagen die Preise bei uns im gleichen Zeitraum dafür aber 2 Prozent über dem EU-Schnitt! Höhere Verbrauchsteuern würden die öffentliche Gesundheit verbessern. Todesfälle im Straßenverkehr sowie Krebs-, Herz- und Leberkrankheiten würden sich reduzieren.
Jeder Mensch in Deutschland konsumiert pro Jahr rund 33 Kilogramm Zucker; eine Menge, die circa 11.000 Würfelzuckern entspricht. Der bayerische Zuckerverzehr liegt pro Jahr im Durchschnitt bei 13 bis 15 kg pro Kopf, was erfreulicherweise als sehr moderat einzustufen ist. Auf ganz Deutschland bezogen kommt man auf etwa 95 Gramm Zucker pro Tag; ein Wert, der deutlich über der von WHO und Deutscher Gesellschaft für Ernährung e.V. empfohlenen Höchstmenge von 50 Gramm für einen Erwachsenen liegt. Ein Viertel des Zuckerkonsums in Deutschland geht auf gesüßte Getränke zurück. Trotz einer seit 2018 bestehenden Selbstverpflichtung der Getränkeindustrie zur Zuckerreduktion bleiben die Erfolge dieser Selbstverpflichtung aber hinter den Erwartungen zurück. Hochrechnungen zufolge könnte eine 20-prozentige Steuer auf gezuckerte Getränke den Zuckerkonsum um etwa ein Gramm pro Tag senken und durch vermiedene Krankheiten wie Übergewicht, Karies, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen Einsparungen innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte von bis zu 16 Milliarden Euro bewirken.“
„Auch wenn Steuererhöhungen niemandem gefallen, spreche ich mich doch im Zusammenhang mit den nachweislich gesundheitsschädlichen Produkten Tabak, Alkohol und Zucker dafür aus. Gerne dürfen im Gegenzug die Steuern auf Obst, Gemüse oder sonstige gesunde Nahrungsmittel reduziert oder abgeschafft werden. Die erhobenen Steuern auf gesundheitsschädliche Produkte sollten allerdings nicht (mehr) nur als bloßes Finanzierungsmittel für den allgemeinen Staatshaushalt dienen, sondern gezielt als gesundheitspolitisches Lenkungsinstrument in unserem Gesundheitssystem eingesetzt werden“, betont Zöller. „Lassen Sie uns anfangen, gesund zu leben. Das neue Jahr ist ein guter Zeitpunkt dafür!“
Quellen u.a.: