Bayerisches Staatsministerium für
Gesundheit und Pflege

Frage an den Patienten- und Pflegebeauftragten

Verhinderung der Pflegeperson

Frau M. fragt:

Seit drei Jahren pflege ich meinen Ehemann, Pflegestufe 2, zu Hause. Ich bin selbst gesundheitlich nicht in bester Verfassung, sodass mir die letzten drei Jahre körperlich und psychisch sehr zugesetzt haben. Nun ist mir eine Kur bewilligt worden, d. h. ich bin für drei bis vier Wochen abwesend. Meine Tochter könnte höchstens für zwei Wochen die Pflege übernehmen, für die restliche Zeit müsste ich meinen Mann einem Pflegedienst anvertrauen. Muss ich den Pflegedienst selbst bezahlen oder springt in solchen Fällen die Pflegekasse ein?

Der Patienten- und Pflegebeauftragte antwortet:

Bei Verhinderung der Pflegeperson übernimmt die Pflegekasse unter bestimmten Voraussetzungen und innerhalb bestimmter Grenzen die Kosten für die Pflege. Sie können zwischen den beiden im Folgenden beschriebenen Möglichkeiten wählen:

Bei der sogenannten Verhinderungspflege übernimmt die Pflegekasse die Kosten einer notwendigen Ersatzpflege für längstens sechs Wochen je Kalenderjahr. Der Zuschuss der Pflegekasse kann - unabhängig von der Pflegestufe - seit dem 1.1.2015 für gewerbsmäßige Pflegedienste bis zu 1.612,-- € pro Kalenderjahr betragen. Zusätzlich erhält der Pflegebedürftige während der Verhinderungspflege die Hälfte des Pflegegeldes, allerdings nur für vier Wochen.

Als gewerbsmäßige Pflegedienste können sowohl ambulante als auch stationäre Einrichtungen (z. B. Kurzzeitpflege, siehe auch unten) in Anspruch genommen werden.
Voraussetzung ist, dass die Pflegeperson wegen Erholungsurlaubs, Krankheit oder aus anderen Gründen an der Pflege gehindert ist und dass sie den Pflegebedürftigen vor der erstmaligen Ver-hinderung mindestens sechs Monate in seiner häuslichen Umgebung gepflegt hat.
Übernehmen Verwandte oder Verschwägerte bis zum zweiten Grad oder im Haushalt lebende Personen die Ersatzpflege, gelten die Pflegekosten mit dem Pflegegeld als abgegolten. Hat die Ersatzkraft höhere Ausgaben, z. B. Fahrkosten oder Verdienstausfall, erstattet die Pflegeversiche-rung diese auf Nachweis. Insgesamt übernimmt die Pflegeversicherung aber nur Kosten (ein-schließlich des Pflegegeldes), die das 1,5-fache des Pflegegeldes nicht übersteigen.

Für die Kurzzeitpflege beträgt der Zuschuss der Pflegekasse pro Kalenderjahr ebenfalls bis zu 1.612,-- €. Kurzzeitpflege findet, im Gegensatz zur Verhinderungspflege, nur in stationären Einrich-tungen statt. Die Inanspruchnahme ist nicht auf eine Verweildauer begrenzt, sie begrenzt sich vielmehr durch den Zuschuss für die Pflege. Die übrigen Kosten, z. B. Unterkunft und Verpflegung sind selbst zu tragen. Eine Begründung für die Inanspruchnahme einer Kurzzeitpflege ist nicht er-forderlich.
Es können innerhalb eines Jahres beide Zuschüsse, der für Verhinderungspflege und der für Kurzzeitpflege, in Anspruch genommen werden. Ein Nachweis der tatsächlichen Kosten ist jeweils erforderlich.

Seit 1.1.2015 ist auch eine Kombination der häuslichen Verhinderungs- mit der Kurzzeitpflege möglich. Bis zu 50% des Leistungsbetrages der Kurzzeitpflege können für die Verhinderungspflege verwendet werden, sodass der Zuschuss damit aufgestockt würde. Dieser „umgebuchte“ Betrag steht dann allerdings für die Kurzzeitpflege nicht mehr zur Verfügung.

Ich empfehle Ihnen, sich an die Pflegekasse, an die Fachstellen für pflegende Angehörige oder an Pflegestützpunkte zu wenden. Dort werden Sie entsprechend Ihrer persönlichen Situation und den Angeboten vor Ort beraten.

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