Bayerisches Staatsministerium für
Gesundheit und Pflege

Frage an den Patienten- und Pflegebeauftragten

Erwerb von Rentenansprüchen aufgrund Pflege von Angehörigen

Herr H. fragt:
Ich bin berufstätig und pflege meine Mutter. Sie hat die Pflegestufe II. Ich mache das gerne für meine Mutter und außerdem möchte ich sie auch nicht fremden Pflegepersonen anvertrauen. Wegen der Pflege meiner Mutter habe ich meine Berufstätigkeit reduziert und habe mir schon Sorgen gemacht, dass ich später wegen der Pflege meiner Mutter weniger Rente bekomme.  Nun habe ich gehört, dass die Pflegekassen für pflegende Angehörige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung entrichten. Ist das richtig?

Der Patienten- und Pflegebeauftragte antwortet:
Das ist grundsätzlich richtig, hängt aber im Wesentlichen davon ab, in welchem Umfang Sie eine Erwerbstätigkeit ausüben und wie hoch Ihr zeitlicher Pflegeaufwand ist.
Um einen Angehörigen pflegen zu können, sind Pflegende oft nicht voll berufstätig. Sie erwerben damit weniger Rentenansprüche im Vergleich zu einer vollen Berufstätigkeit. Um diesen Nachteil auszugleichen, zahlt die Pflegekasse des Pflegebedürftigen, also in Ihrem Fall, die Pflegekasse Ihrer Mutter, unter bestimmten Voraussetzungen Rentenversicherungsbeiträge für Sie als Pflegeperson.
Derzeit werden Pflegepersonen in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert, wenn durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) eine Pflegebedürftigkeit festgestellt wurde und die Pflegeperson

• einen pflegebedürftigen Angehörigen nicht erwerbsmäßig wenigstens 14 Stunden wöchentlich in
  seiner häuslichen Umgebung pflegt,
• die Pflege länger als zwei Monate im Kalenderjahr ausübt,
• regelmäßig nicht mehr als 30 Stunden in der Woche erwerbstätig oder selbständig beruflich tätig ist. 
Die Höhe der von der Pflegekasse gezahlten Rentenversicherungsbeiträge ist gestaffelt und richtet sich danach, welche Pflegestufe dem Pflegebedürftigen vom Medizinischen Dienst der Krankenkasse (MDK) zuerkannt wurde.

Ab 1.1.2017 werden die bisherigen Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt. Ihre Mutter in Pflegestufe II wird dann automatisch in den Pflegegrad 3 (Pflegegrad 4, falls eine eingeschränkte Alltagskompetenz besteht) übergeleitet.  Die Pflegeversicherung zahlt ab 1.1.2017 Rentenbeiträge für alle Pflegepersonen, die einen Pflegebedürftigen in den Pflegegraden 2- 5 mindestens zehn Stunden wöchentlich, verteilt auf mindestens zwei Tage, zu Hause pflegen und regelmäßig nicht mehr als 30 Stunden erwerbstätig sind. Durch die Absenkung der erforderlichen wöchentlichen Mindestpflege von 14 Stunden auf künftig 10 Stunden und durch die Einbeziehung der bisherigen Pflegebedürftigen der Pflegestufe 0 (künftig Pflegegrad 2) werden noch mehr Pflegepersonen in der Rentenversicherung sozial abgesichert.


Wenn Sie Vollzeit berufstätig wären und damit die für Ihre Mutter erbrachte Pflegetätigkeit nicht zu Lasten Ihrer eigenen Alterssicherung ginge, würde kein Anspruch auf Pflichtversicherung durch die Pflegekasse bestehen. Durch die Pflegetätigkeit ist es nicht möglich zusätzliche Rentenansprüche, die über die durch eine Vollzeittätigkeit erworbenen Ansprüche hinausgehen, zu erwerben.

Stand: 01.06.2016

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