Bayerisches Staatsministerium für
Gesundheit und Pflege

Frage an den Patienten- und Pflegebeauftragten

Rabattverträge für Arzneimittel

Herr L. fragt:

Neulich wurde ich in meiner Apotheke wieder einmal mit einem neuen Medikament „überrascht“. Der Apotheker erklärte mir, das hinge mit den neuen Rabattverträgen zusammen, die meine Krankenkasse geschlossen hätte. Ich empfinde es als Zumutung, ständig das Medikament wechseln zu müssen. Wer sagt mir, dass ich dies vertrage? Gibt es eine Möglichkeit, weiterhin mein gewohntes Medikament zu erhalten?

Der Patienten- und Pflegebeauftragte antwortet:

Es ist nachvollziehbar, dass die Einnahme wechselnder Präparate als Konsequenz aus den Rabattverträgen bei etlichen Patienten auf Ablehnung stößt. Um nicht in unübersichtlichen und kurzen Abständen mit einem Wechsel des Herstellers konfrontiert zu werden, muss jeder einzelne Rabattvertrag aber zwei Jahre gelten. Insgesamt wurde die Vorgehensweise so gestaltet, dass für den Patienten kein Qualitätsverlust entsteht und bei medizinischer Notwendigkeit oder auf Wunsch des Patienten das gewohnte Arzneimittel erhältlich ist.

Bei Präparaten, für die Rabattverträge geschlossen wurden, handelt es sich um alternative kostengünstigere Präparate mit gleichen Wirkstoffen. Wesentliche Unterschiede zum Original bestehen nicht, es können aber z. B. andere Hilfsstoffe enthalten sein.

Vom Gesetzgeber ist den Apotheken vorgeschrieben, dass diese das wirkstoffgleiche Arzneimittel abzugeben haben, mit dessen Hersteller die Krankenkasse des Patienten einen Rabattvertrag geschlossen hat. Ist dieses Arzneimittel nicht lieferfähig, muss die Apotheke eines der drei preisgünstigsten wirkstoffgleichen Arzneimittel mit derselben Dosierung und Packungsgröße sowie derselben oder einer austauschbaren Darreichungsform abgeben.

Eine Begrenzung der Austauschbarkeit soll in einigen Bereichen durch die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung beschlossene Substitutionsliste geschaffen werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss wurde mit der Erarbeitung der genannten Liste beauftragt. Darin werden Arzneimittel aufgeführt, die im Rahmen von Rabattverträgen nicht ausgetauscht werden dürfen. Seit dem 1.4.2014 dürfen bereits das Immunsuppressivum Ciclosporin und das Antiepileptikum Phenytoin in der Apotheke nicht mehr gegen preiswertere Rabattarzneimittel ausgetauscht werden. Die Austauschverbotsliste soll zügig erweitert werden.

Auch wenn Ihr Präparat nicht oder noch nicht Bestandteil der Substitutionsliste sein sollte, bestehen aber Möglichkeiten, das gewohnte, nicht rabattierte Arzneimittel zu erhalten:

Wenn aus medizinischen Gründen die Substitution eines Arzneimittels durch ein wirkstoffgleiches anderes Arzneimittel nicht möglich ist, kann der Arzt auf dem Rezept durch Ankreuzen des „Aut-idem“- Kästchens den Austausch gegen ein Rabattarzneimittel ausschließen. Der Patient erhält daraufhin das nicht rabattierte Arzneimittel ohne Mehrkosten.

Sofern der Arzt nur den Wirkstoff verschreibt, Sie als Patient aber das gewohnte Präparat bevorzugen, können Sie dies in der Apotheke auch erhalten. Die Kosten müssten Sie zunächst selbst übernehmen. Die Krankenkasse erstattet dann die Kosten in Höhe des Rabattarzneimittels.

Sie haben also nun mindestens zwei Jahre Gewähr, das gleiche (Rabatt-)Präparat zu erhalten. Falls danach sich aufgrund von neuen Rabattverträgen wieder eine Änderung ergeben sollte, bitte ich Sie, auch zu bedenken, dass dies letztlich auch Ihnen zugute kommt. Rabattverträge haben dazu beigetragen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung zu senken und damit die Beitragszahler zu entlasten.

 

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