Bayerisches Staatsministerium für
Gesundheit und Pflege

Frage an den Patienten- und Pflegebeauftragten

Voraussetzung für Verabreichung von Psychopharmaka im Pflegeheim

Frau H. fragt:

Meine Oma, die an Alzheimer leidet, wurde bisher von ihrem Ehemann gepflegt. Nun ist dieser verstorben, sodass mir leider nichts anderes übrig blieb, als sie in einem Pflegeheim unterzubringen. Seitdem verhält sie sich völlig teilnahmslos. Das kann natürlich durch die fremde Umgebung und die fremden Menschen ausgelöst worden sein. Ich habe jedoch den Verdacht, dass Bewohnern mit Demenz, die ja nicht einfach zu beaufsichtigen und anstrengend sind, Psychopharmaka verabreicht werden. Was kann ich tun, um meine Oma vor einem medizinisch wahrscheinlich nicht notwendigen Medikament zu schützen und ihr eine weitgehende Teilnahme am (Heim-) Leben zu ermöglichen?

Der Patientenbeauftragte antwortet:

Medikamente dürfen ausschließlich vom Arzt verschrieben werden. Deshalb rate ich Ihnen, ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt zu führen, ob und warum Psychopharmaka verordnet wurden und wenn ja, ob es dazu nicht Alternativen gäbe. Der Arzt darf Ihnen jedoch nur Auskunft geben, wenn Ihre Oma den Arzt Ihnen gegenüber von seiner Schweigepflicht entbindet oder Sie von Ihrer Oma für Auskunfteinholung bevollmächtigt wurden oder als ihre Betreuerin bestellt sind.

Zusätzlich sollten Sie mit der Pflegedienstleitung des Pflegeheimes sprechen. Lassen Sie sich hier z.B. anhand der Pflegeplanung erläutern, welche Maßnahmen das Pflegeheim zur Aktivierung Ihrer Oma geplant hat und was davon auch umsetzt wird. Fragen Sie auch nach Konzepten zum Umgang mit dementen Bewohnern und der Umsetzung der Konzepte.

Ich empfehle auch zu klären, in welchem Rahmen Ihre Oma persönlich durch gerontopsychiatrisch qualifizierte Fachkräfte betreut wird. Gerontopsychiatrische Fachkräfte sind weiterqualifizierte, bereits ausgebildete Pflegekräfte, die auf die Arbeit mit psychisch wesensveränderten Personen, besonders mit altersverwirrten Menschen, spezialisiert sind. In stationären Pflegeeinrichtungen muss für je 30 Bewohner eine solche Kraft zur Verfügung stehen, in gerontopsychiatrischen Einrichtungen für je 20 Bewohner ( §15 Verordnung zur Ausführung des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes - AVPfleWoqG).

Ggf. ergibt sich, dass Ihre Oma in einem anderen Heim besser aufgehoben wäre.

Weiterhin bietet sich Ihnen die Möglichkeit, die Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen – Qualitätsentwicklung und Aufsicht (FQA), umgangssprachlich auch Heimaufsicht genannt, einzuschalten. Aufgabe der FQA ist es darauf hinzuwirken, dass die Interessen und Bedürfnisse der alten, behinderten und pflegebedürftigen Menschen erkannt, beachtet und geschützt werden.

 

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