Bayerisches Staatsministerium für
Gesundheit und Pflege

Frage an den Patienten- und Pflegebeauftragten

Kostenübernahme der gesetzlichen Krankenkasse für Hörgeräte

Herr W fragt:
Mein HNO-Arzt hat bei mir eine mittelgradige Schwerhörigkeit auf dem rechten Ohr festgestellt und ein Hörgerät für das betroffene Ohr verordnet. Ich bin gesetzlich versichert und möchte gerne wissen, welche Kosten auf mich zukommen können. Von Bekannten habe ich gehört, dass das teuer werden kann.

 

 

Der Patienten- und Pflegebeauftragte antwortet:


Gesetzlich Krankenversicherte, die ein Hörgerät benötigen, erhalten von der Krankenkasse einen Festbetrag bis zu 784,94 Euro. Für erwachsene Versicherte mit an Taubheit grenzender Schwer-hörigkeit gilt ein Festzuschussbetrag in Höhe von 841,94 Euro.


Dieser Zuschuss bestimmt die maximale Höhe, bis zu der die Krankenkassen in der Regel eine Hörhilfe finanzieren. Wie viel die Hörgeräte dann im Einzelnen kosten dürfen, hängt zusätzlich von den Vereinbarungen zwischen Krankenkassen und Akustikern ab. Deshalb empfehle ich Ihnen, mit Ihrer Krankenkasse Kontakt aufzunehmen.

Zu beachten ist, dass die Krankenkasse einen deutlich geringeren Betrag für das zweite Hörgerät übernimmt, wenn für beide Ohren ein Hörgerät benötigt wird.

Hörgeräte für Kassenpatienten müssen mindestens mit Digitaltechnik ausgestattet sein und mindestens über vier Kanäle und drei Hörprogramme, eine Rückkoppelungs- und Störschallunterdrückung sowie über eine Verstärkungsleistung von bis zu 75 Dezibel verfügen.

Hörgeräte-Akustiker können hierbei selbst entscheiden, welche Hörhilfen sie als Kassengerät führen. Sie müssen jedoch auch Modelle anbieten, die der Höhe des Festbetrags entsprechen, den die gesetzlichen Kassen übernehmen. Sofern sie nicht komplett von der Zuzahlung befreit sind, müssen Versicherte einen Eigenanteil von zehn Euro pro Gerät leisten.

Je nach Hörschwäche und individuellem Bedarf sind viele Hörgeräte jedoch wesentlich teurer. Statt rund 800 Euro können sie mehr als drei- oder viermal so teuer sein. Etwaige Mehrkosten für ein höherwertigeres Gerät müssen Versicherte selbst übernehmen. Ist ein teures Hörgerät – etwa mit einem höheren Frequenzbereich – medizinisch erforderlich, zahlt die gesetzliche Krankenver-sicherung auch qualitativ hochwertigere Modelle.

Die Kassen schultern außerdem die Kosten für die Beratung, Programmierung und Anpassung des Hörgeräts sowie für die Nachbetreuung und auftretende Reparaturen. Die für den Betrieb erforder-lichen Batterien übernehmen die Krankenkassen jedoch nur bis zum achtzehnten Lebensjahr des Versicherten.

Für ein Hörgerät benötigen Versicherte bei erstmaliger Anschaffung ein Rezept nach einer Unter-suchung beim Ohrenarzt. Mit der Verordnung sollten sich Versicherte zunächst bei ihrer Krankenkasse erkundigen, welche Hörgeräteakustiker sie als Vertragspartner mit einem Hörgerät versorgen können.

Der ausgewählte Akustiker ermittelt mit dem Versicherten das geeignete Hörgerät und erstellt einen Kostenvoranschlag. Auf dessen Basis wird ein Antrag mit der ärztlichen Verordnung an die Krankenkasse geschickt. Wichtig: Erst nach schriftlicher Zusage ist sicher, dass die Kasse den Festbetrag für das ausgewählte Gerät vom Hörgeräteakustiker übernimmt.

 

Stand 1.11.2016

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