Bayerisches Staatsministerium für
Gesundheit und Pflege

Frage an den Patienten- und Pflegebeauftragten

Die neuen Pflegegrade ab 1. Januar 2017

Frau M fragt:
Ich habe schon seit einiger Zeit die Pflegestufe I und nehme einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch. Eine eingeschränkte Alterskompetenz liegt bei mir nicht vor. Derzeit hört man viel  darüber, dass es ab 2017 keine Pflegestufen mehr gibt, sondern Pflegegrade. Ich bin unsicher, was sich dadurch ändert. Muss ich einen neuen Antrag stellen oder mich noch einmal begutachten lassen? Habe ich in Pflegestufe I durch die neuen Regelungen finanzielle Nachteile?

Der Patienten- und Pflegebeauftragte antwortet:

Zunächst das Wichtigste für Sie vorweg:

Alle Versicherten, die bereits jetzt eine Pflegestufe haben und Leistungen aus der Pflegeversiche-rung beziehen, werden von der Pflegekasse automatisch in den jeweiligen Pflegegrad übergeleitet. Eine erneute Antragstellung oder Begutachtung ist nicht erforderlich. Dabei gilt:

  • Versicherte mit körperlichen Einschränkungen werden in den nächsthöheren Pflegegrad übergeleitet, also in Ihrem Fall von Pflegestufe I in den neuen Pflegegrad 2.
  • Versicherte, bei denen eine Beeinträchtigung der Alltagskompetenz vorliegt, also z. B. De-menzkranke, werden vor ihrer derzeitigen Pflegestufe in den übernächsten Pflegegrad übergeleitet: z. B. von der derzeitigen Pflegestufe O in den neuen Pflegegrad 2.

Die Pflegekasse teilt jedem Pflegebedürftigen mit, in welchen Pflegegrad er übergeleitet wird.

Für die Überleitung gilt ein Bestandsschutz, so dass niemand schlechter gestellt ist, als bisher. Die meisten Versicherten erhalten in 2017 sogar höhere Leistungen. In Ihrem Fall z.B. beträgt das Pflegegeld in der Pflegestufe I derzeit 244 Euro, ab 2017 beträgt das Pflegegeld in Pflegegrad 2
316 Euro. Die Pflegesachleistungen erhöhen sich in diesem Pflegegrad von 468 Euro auf 689 Euro. 
Mit dem Pflegestärkungsgesetz II wird zum 1. Januar 2017 der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt. Das Begutachtungsverfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit verändert sich dadurch grundlegend. Künftig (ab 01. 01.2017) wird der tatsächliche Unterstützungsbedarf von Pflegebedürftigen besser erfasst. Maßgeblich ist dann, inwieweit jemand tägliche Anforderungen selbst bewältigen kann. Das Gutachten wird körperliche ebenso wie geistige und psychische Ein-schränkungen berücksichtigen; nach deren Schwere richtet sich die Einstufung in einen der Pfle-gegrade. So soll eine individuellere Einstufung der Pflegebedürftigkeit erreicht werden. Dafür sorgt ein neues Begutachtungssystem. Bei der Begutachtung wird der Grad der Selbstständigkeit bzw. der Fähigkeiten in sechs verschiedenen Bereichen ermittelt.

Dabei handelt es sich um:

  1. Mobilität (körperliche Beweglichkeit, zum Beispiel morgens aufstehen vom Bett und ins Badezimmer gehen, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs, Treppensteigen
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (verstehen und reden: zum Beispiel Orientie-rung über Ort und Zeit, Sachverhalte und begreifen, erkennen von Risiken, andere Menschen im Gespräch verstehen)
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (zum Beispiel Unruhe in der Nacht oder Ängste und Aggressionen, die für sich und andere belastend sind, Abwehr pflege-rischer Maßnahmen)
  4. Selbstversorgung (zum Beispiel sich selbstständig waschen und ankleiden, essen und trinken, selbständige Benutzung der Toilette)
  5. Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten An-forderungen und Belastungen (zum Beispiel die Fähigkeit haben, die Medikamente selbst einnehmen zu können, die Blutzuckermessung selbst durchzuführen und deuten zu können oder gut mit einer Prothese oder dem Rollator zurecht zu kommen, den Arzt selbständig aufsuchen zu können)
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (zum Beispiel die Fähigkeit haben, den Tagesablauf selbständig zu gestalten, mit anderen Menschen in direkten Kontakt zu treten oder die Skatrunde ohne Hilfe zu besuchen)

Aufgrund einer Gesamtbewertung aller Fähigkeiten und Beeinträchtigungen anhand eines Punkte-systems erfolgt die Einstufung in einen der fünf Pflegegrade. Minuten spielen in der neuen Begut-achtung und damit für die Einstufung keine Rolle mehr. Die Einstufung erfolgt durch den MDK auf der Grundlage einer Begutachtungsrichtlinie. Die neue Form der Begutachtung und die Umstellung der Leistungsbeträge aus der Pflegeversicherung sollen zum 1. Januar 2017 wirksam werden. Ab diesem Zeitpunkt wird es die nachfolgenden fünf Pflegegrade geben:

  • PG 1 - geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten
  • PG 2 - erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten
  • PG 3 - schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten
  • PG 4 - schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten
  • PG 5 - schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung oder Vorliegen einer besonderen Be-darfskonstellation.

Die Leistungsbeträge der Pflegekasse in den einzelnen Pflegegraden ab 1.1.2017 stellen sich wie folgt dar:


Pflegegrad    Ambulante Leist.        Vollstationäre Leist.     Tages-/                Entlastungsbetrag
                     Geldleist.  Sachleist.                                        Nachtpflege         nach §45b


   1                    -                  -                        125                             -                        125 


    2                  316            689                     770                          689                       125


    3                  545          1298                   1262                         1298                      125


    4                  728          1612                   1775                         1612                      125


    5                  901           1995                   2005                        1995                      125


 

 

 

 

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