Bayerisches Staatsministerium für
Gesundheit und Pflege

Frage an den Patienten- und Pflegebeauftragten

Rezeptausstellung in einer Gemeinschaftspraxis

Herr D. fragt:

Ich leide unter einer Hauterkrankung, deren Besserung nur zäh voranschreitet. Mein Dermatologe hat mir bei meinem letzten Besuch in der Praxis darum ein neues Arzneimittel verordnet, das besser angeschlagen hat. Leider war dies in meinem Fall seine letzte Handlung als Arzt. Er ist inzwischen aus Altersgründen aus der Praxis ausgeschieden. Ich habe nun in der Praxis - es handelt sich um eine Gemeinschaftspraxis - angerufen und um Zusendung eines Rezeptes für das neue Arzneimittel gebeten. Dort hieß es, das wäre nicht möglich und ich müsste persönlich dort vorstellig werden. Für mich wäre das sehr umständlich. Außerdem liegen meine Patientendaten dort doch vor. Bin ich wirklich gezwungen wegen eines Wiederholungsrezeptes die Sprechstunde aufzusuchen?

Der Patienten- und Pflegebeauftragte antwortet:

Grundsätzlich dürfen Verordnungen von einem Arzt nur ausgestellt werden, wenn er sich persönlich von dem Krankheitszustand des Patienten überzeugt hat oder wenn ihm der Zustand aus der laufenden Behandlung bekannt ist. Denn mit der Verordnung übernimmt er hierfür die medizinische und im Falle von gesetzlich versicherten Patienten als Vertragsarzt auch die wirtschaftliche Verantwortung. Dies gilt auch, wenn in einer Gemeinschaftspraxis die Behandlung von einem anderen Arzt übernommen wird. Zumindest für die Erstausstellung eines Rezeptes wäre eine persönliche Untersuchung erforderlich.

In Ihrem Fall könnte sich jedoch ein persönliches Vorstellen durch einen Blick in Ihre Patientenakte erübrigen.

Die rechtlichen Voraussetzungen für eine Einsicht eines anderen Arztes sind hier folgende:
Eine Gemeinschaftspraxis ist der vertragliche Zusammenschluss von Ärzten zur Berufsausübung. Eines der Kriterien für die gemeinsame Berufsausübung ist laut Bundesärztekammer ein gemeinsamer Patientenstamm. Für den einzelnen Patienten kommt in der Regel der Behandlungsvertrag mit allen Partnern der Gemeinschaftspraxis zustande. Sie als Patient könnten demnach Ihr Recht auf Einsicht in Ihre Patientenunterlagen gegenüber jedem der Gemeinschaftspraxis angehörenden Ärzte geltend machen. Umgekehrt bedeutet ein gemeinsamer Patientenstamm, dass jeder der Partner Zugriff auf die Patientenunterlagen haben muss. Dies gilt, sofern Sie als Patient der Gemeinschaftspraxis während Ihrer Behandlung nicht ausdrücklich erklärt haben, nur von einem bestimmten Arzt behandelt werden zu wollen oder dies durch fortgesetztes entsprechendes Handeln zum Ausdruck gebracht haben.


Die Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen zur Ausstellung einer Verordnung obliegt allein dem Arzt. Sofern er Zugang zu Ihrer Patientenakte hat, ihm die Angaben aber nicht ausreichend erscheinen oder er eine andere Auffassung vertritt als sein Kollege, ist er, um seiner Verantwortung (s. auch oben) nachzukommen, nicht nur berechtigt, sondern sogar dazu verpflichtet, sich persönlich von Ihrem Krankheitszustand ein Bild zu machen.

Ich empfehle Ihnen, Kontakt mit einem Arzt aus der Gemeinschaftspraxis aufzunehmen und ihm, wenn nötig, die Erlaubnis zur Einsicht in Ihre Patientenakte zu erteilen. Ggf. müssen Sie dennoch dort vorstellig werden, um die gewünschte oder eine andere Verordnung zu erhalten.

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