Bayerisches Staatsministerium für
Gesundheit und Pflege

Frage an den Patienten- und Pflegebeauftragten

Leistungen der Pflegeversicherung für Tages- und Nachtpflege

Frau S. fragt:
Ich pflege meinen demenzkranken Vater. Er hat jetzt die Pflegestufe I bekommen. Da ich berufstätig bin wechsle ich mich bei der Betreuung mit meinem Bruder ab. Das ist für uns beide nicht einfach zu organisieren und wir bräuchten dringend Entlastung. Deshalb kam uns der Gedanke, zumindest zeitweise ein Angebot der Tagespflege zu nutzen. Ich habe aber Bedenken wegen der dann anfallenden Kosten. Müssen wir diese selbst tragen oder beteiligt sich die Pflegekasse an den Kosten und wer kann uns dazu beraten?

 

Der Patienten und Pflegebeauftragte antwortet:
Grundsätzlich haben Pflegebedürftige Anspruch auf teilstationäre Pflege in Einrichtungen der Tages- oder Nachtpflege, wenn häusliche Pflege nicht in ausreichendem Umfang sichergestellt werden kann oder wenn dies zur Ergänzung oder Stärkung der häuslichen Pflege erforderlich ist. Die Pflegeversicherung übernimmt die Pflegekosten, die Aufwendungen der sozialen Betreuung und die Kosten der medizinischen Behandlungspflege und die Beförderungskosten, soweit die Beförderung nicht von Angehörigen durchgeführt wird. Die Kosten für die Verpflegung sind vom Pflegebedürftigen in der Regel selbst zu tragen.


Die Leistungen der Pflegeversicherung für die teilstationäre Tages- oder Nachtpflege hängt ab von der Pflegestufe des Versicherten. Ihr Vater hat Pflegestufe I und ist zudem an Demenz erkrankt, das heißt, er ist in seiner Alltagskompetenz dauerhaft eingeschränkt. Die Leistung der Pflegeversicherung beträgt in diesem Fall bis zu 689 Euro monatlich. In Pflegestufe II würde der Leistungsbeitrag bei bis zu 1.298 Euro monatlich und in Pflegestufe III bei bis zu 1.612 Euro monatlich liegen. Seit dem 1. Januar 2015 können auch Versicherte in der sogenannten „Pflegestufe 0“ mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz Leistungen der Tages- und Nachtpflege in Höhe von bis zu 231 Euro monatlich in Anspruch nehmen. Ohne die vorliegende Demenzerkrankung wären die Beträge in Pflegestufe I und II geringer und betragen in Pflegestufe I bis zu 468 Euro monatlich und in Pflegestufe II bis zu 1.144 Euro monatlich. In der Pflegestufe III sind die Leistungen gleich.
Wichtig für Sie ist auch, dass Sie seit 1.1.2015 die Leistungen der Tages- und Nachtpflege mit ambulanten Pflegesachleistungen und/oder dem Pflegegeld kombinieren können, ohne dass die Leistungen aufeinander angerechnet werden.

Vor Inanspruchnahme einer Tages- und Nachtpflege müssen Sie diese Leistung bei der Pflegekasse Ihres Vaters beantragen. Die Pflegekasse berät Sie darüber hinaus auch bei der Auswahl der Einrichtung. Gesetzlich versicherte Pflegebedürftige  und ihre Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf individuelle Pflegeberatung ihrer Pflegekasse. Die Pflegekassen sind verpflichtet eine solche Beratung anzubieten.

Darüber hinaus können Sie sich auch bei einem der Pflegestützpunkte in Bayern oder einer der Fachstellen für pflegende Angehörige in Bayern beraten lassen. Adressen in Ihrer Wohnortnähe finden Sie auf der Homepage des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege unter
http://www.stmgp.bayern.de/pflege/pflege_zu_hause/hilfen_angehoerige/ang_fachstellen.htm
 oder
http://www.stmgp.bayern.de/pflege/beratung_pflege/pflegestuetzpunkte/.

Stand 1.4.2016

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