Bayerisches Staatsministerium für
Gesundheit und Pflege

Frage an den Patienten- und Pflegebeauftragten

Berücksichtigung von Demenz in den neuen Pflegegraden

Frau S. fragt:

Meine 83jährige Mutter wohnt bei uns im Haus und ich betreue sie. Körperlich ist sie für ihr Alter noch in ganz guter Verfassung. Allerdings leidet sie an Demenz. Vom MDK ist ihr die Pflegestufe 0 mit eingeschränkter Alltagskompetenz bescheinigt worden. Dem Betreuungsaufwand wird diese Einstufung allerdings nicht gerecht. Die Demenz meiner Mutter erschwert die Betreuung ungemein. Sie besteht z. B. darauf, sich selbst zu waschen und anzuziehen, was sie theoretisch auch könnte, und wehrt sich gegen meine Hilfe, auch mal handgreiflich. Dann aber vergisst sie es.

In der Presse wurde neulich über Verbesserungen bei der Pflegeeinstufung berichtet, insbesondere, dass die neuen Regeln der schwierigen Betreuung und Pflege von Demenzkranken Rechnung tragen sollen. Bitte informieren Sie mich, ob und inwieweit auch mir bzw. meiner Mutter die Verbesserungen zu gute kommen und ob ich ggf. etwas beantragen muss.

Der Patienten- und Pflegebeauftragte antwortet:

Die Presse berichtete über die Verabschiedung des Zweiten Pflegestärkungsgesetztes (PSG II), durch das unter anderem ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff und die Erweiterung von drei Pflegestufen auf fünf Pflegegrade eingeführt werden. Diesbezüglich ist das Gesetz allerdings erst ab dem 1.1.2017 gültig.

Das Zweite Pflegestärkungsgesetz beinhaltet keine speziellen Vorgaben für an Demenz Erkrankte.
Doch werden durch das reformierte Begutachtungsverfahren die Defizite von an Demenz Erkrankten automatisch berücksichtigt: Künftig spielen bei dem für die Einstufung in einen Pflegegrad zu Grunde liegenden Begutachtungsverfahren neben körperlichen auch kognitive und psychische Beeinträch-tigungen eine Rolle.

Im Einzelnen werden folgende Kriterien geprüft:
Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen, sowie Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte.

Den genannten Kriterien kommt dabei unterschiedliche Gewichtung zu. Selbstversorgung und Alltagsverrichtungen, die bei Demenzkranken ein zentrales Problem darstellen, werden mit 40% überproportional berücksichtigt.

Patienten, die bereits eine Pflegestufe haben, werden von der Pflegekasse zum 1.1.2017 automatisch in den neuen für sie passenden Pflegegrad überführt. Eine Beantragung ist nicht notwendig.

Patienten mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen werden im neuen Pflegegradsystem jeweils eine Stufe höher eingeordnet werden als im alten Pflegestufensystem, z. B. von bisher Stufe 2 auf Pflegegrad 3. Patienten, die zu ihrer Pflegeeinstufung die Bezeichnung „mit eingeschränkter Alltagskompetenz“ erhalten haben, werden jeweils zwei Stufen höher eingeordnet, z. B. von bisher Pflegstufe 2 auf Pflegegrad 4.

Für Ihre Mutter mit Pflegestufe 0 und der Bezeichnung „mit eingeschränkter Alltagskompetenz“ bedeutet das, dass sie automatisch ab 1.1.2017 in Pflegegrad 2 überführt wird.

 

Stand: 01.02.2016

 

 

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